Einerblock mit Jaromir Zachrich

Was war dein schönster Sieg?
Jaro: Das waren schon ein paar. Das erste 3:0 in Friedrichshafen ist unvergesslich. Da spielten noch Dennis Bartel und Davic Meder, die dort plötzlich Vollgas gegeben haben. Das war ein toller Sieg. Ich glaube, es sind außerdem immer wieder die Spiele gegen Berlin gewesen, die sich emotional komplett hochgeschaukelt haben. Das waren dann auch immer die schönsten Siege. Aber so einen kompletten Highlight-Sieg habe ich gar nicht explizit.
Und deine bitterste Niederlage?
Jaro: Das geht ganz schnell: Halbfinale im Pokal gegen Lüneburg vor vier Jahren. Unser erstes Halbfinale nach Ewigkeiten, damals noch unter Michael Mücke. Wir gewinnen den ersten Satz, verlieren den zweiten, wir bekommen richtig Druck. Dabei muss man bedenken, dass Lüneburg gerade erst aus der zweiten Liga aufgestiegen ist und sie kommen direkt ins Pokalfinale. Dazu habe ich mich in diesem Spiel zum ersten Mal in meinem Leben fies mit einem Muskelbündelriss verletzt. In diesem Spiel ist einfach alles Schlechte zusammengekommen.
Deine Erinnerung an dein erstes Profispiel?
Jaro: Ich war unglaublich aufgeregt, ich wollte sofort loslegen und alles zeigen, was irgendwie so ging. Ich habe auch sofort gespielt, weil der Mittelblocker vor mir verletzt war. Recht spät im Spiel kam es erst dazu, dass ich den ersten Block machen konnte, und das war wie eine kleine Explosion. Ich dachte nur: „Ja, jetzt hast du es geschafft! Jetzt bist du angekommen!“
Bevor ich Profi geworden bin, war ich beim VCO Berlin und da war das erste Spiel in der ersten Liga tatsächlich so ein Spiel, das ich nie vergessen werde. Da hat echt viel geklappt. Wir haben direkt gegen Berlin – damals noch SCC Berlin – gespielt. Ich glaube, die sind in diesem Jahr sogar Meister geworden. Wir haben sie bis ins 3:2 gezogen, aber damals gab es dafür leider noch keinen Punkt. Das war eine ziemlich große Nummer für uns und da haben wir mal eine kleine Duftmarke gesetzt.
Was ist das Kurioseste, das dir jemals beim Volleyball passiert ist?
Jaro: Das ist das, was jetzt gerade mit diesem Corona-Virus und dem Ligaabruch passiert.
Welcher Teamkollege hat den besten Humor?
Jaro: Für mich ist das Björn.
Wo machst du gerne Urlaub?
Jaro: Überall, wo es einigermaßen einsam ist und ich nicht in irgendeinem All-Inclusive-4-Sterne-Hotel rumhängen muss. Ich brauche Natur und viel Freiraum um mich herum. Das ist mir ganz wichtig.
Wenn du eine beliebige Aktivität olympisch machen könntest, bei welcher hättest du gute Aussichten auf eine Medaille?
Jaro: Unnützes Wissen wäre wohl eine Kategorie, in der ich ganz gute Chancen hätte, vorne mit dabei zu sein. Das sind seltsame Sachen, die irgendwann mal immer aufploppen und eigentlich ziemlich unwichtig sind. Beispielsweise irgendwelche Statistiken o.ä. Man könnte es auch als Klugscheißern bezeichnen.
Dein Lieblingssport nach dem Volleyball – aktiv oder im TV?
Jaro: Ich schaue überhaupt nicht gerne Fernsehen und deshalb auch kein Sport im Fernsehen. Ich fahre gerne mit dem Mountainbike. Das finde ich ziemlich cool und macht mir gerade sehr viel Spaß. Aber ich spiele auch sehr gerne Flag Football, eine entschärfte Variante des American Footballs ohne Körperkontakt. Jugger ist auch ein großartiger Sport. Alle, die es nicht kennen, sollten es mal googeln. Und generell macht mir alles Spaß, wo du einen taktischen Sport hast. Handball finde ich beispielsweise auch sehr interessant.
Was gehört für dich zum Frühstück dazu?
Jaro: Nichts. Ich frühstücke nie.
Als Kind war dein Berufswunsch?
Jaro: Vulkanforscher. Ich hatte schon früh eine Faszination für Vulkane, die habe ich heute immer noch ein wenig. Deshalb wollte ich immer Vulkanforscher werden, bis ich gemerkt habe, dass man dafür Physik und Mathe einigermaßen braucht. Das ist leider nicht meins.
Deine Lieblingsapp?
Jaro: Aktuell ist es die SZ-App und generell Nachrichten-Apps, um mich auf dem Laufenden zu halten.
Wie viele Sprachen sprichst du?
Jaro: Schwäbisch, Deutsch und Englisch. Französisch hatte ich in der Schule, aber ich würde mich nicht als Herr dieser Sprache bezeichnen. Ich könnte mich zwar irgendwie verständigen und ich verstehe auch so einiges, aber das Antworten ist meistens ein Problem.
Welches Fach hast du in der Schule am meisten gemocht und welches am wenigsten?
Jaro: Überraschenderweise mochte ich am meisten Sport. Aber auf der gleichen Ebene befanden sich Englisch, Deutsch und Biologie. Das waren meine absoluten Lieblingsfächer. Gar nicht mochte ich Mathe und Physik. Der Rest war okay. Ich bin tatsächlich einigermaßen gerne zur Schule gegangen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich auf Lehramt studiert habe.
Frühaufsteher oder Langschläfer?
Jaro: Eigentlich Langschläfer, aber mit einem kleinen Kind gezwungener Frühaufsteher.
Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor? Hast du Rituale o.ä.?
Jaro: Jetzt nicht mehr so krass wie früher. Die Familie hat es ein bisschen durcheinandergebracht. Ich hatte nie besondere Rituale, außer das Mittagessen und der Mittagsschlaf vor dem Spiel. Das war immer das Wichtigste. Der Schlaf fällt jetzt leider immer aus, aber die Spiele haben für mich auch nicht mehr einen so hohen Stellenwert. Der Spieltag an sich ist schon so getaktet, dass er den Körper so in den Spieltagsmood bringt, dass spezielle Rituale für mich nicht nötig sind. Ich habe mir jedoch immer – und das mache ich heute noch – zum gleichen Zeitpunkt die Schuhe gebunden.
Was darf in deinem Kühlschrank niemals fehlen?
Jaro: Viele frische Sachen. Ich koche einfach unheimlich gerne und deshalb muss da immer was drin sein, das ich verarbeiten kann.
Was ist eine Sache, die du ausprobiert hast und niemals wieder machen wolltest?
Jaro: Schwierig. Ich habe nicht oft den Effekt, dass ich aus einer Sache rausgehe und denke „Puh, das muss jetzt echt nicht noch mal sein“. Doch, eine Sache fällt mir gerade ein: Fußballgolf! Ich bin kein talentierter Fußballer und dann auch noch als Golfvariante, das muss ich wirklich nicht haben. Wer sich das ausgedacht hat… Für mich ist das ein großer Quatsch. Genauso wie Lasertec als großer Mensch. Am Ende schwitzt du dann nur und wirst die ganze Zeit getroffen.
Was möchtest du nach deiner Karriere als Profispieler machen?
Jaro: Ich möchte gerne mein Lehramtsstudium in Deutsch und Sport abschließen – ich bin im letzten Semester – und mich dann weiter im Volleyball engagieren.

Interview: Stefanie Schneider