Doppelblock mit Tomáš Kocian-Falkenbach und Jordan Deshane

Sommer oder Winter?
Tomáš: Sommer. Den Winter bedeutet für mich Skifahren und Schnee, aber das kann ich gar nicht so richtig genießen, da ich als Volleyballer dann mitten in der Saison stecke. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal im Winterurlaub war. Deshalb eher Sommer, da ich dann eben auch frei habe und den Sommer besser genießen kann.
Jordan: Sommer. Dann wirkt alles so fröhlich und es ist warm.
Warum Volleyball?
Tomáš: Meines Erachtens ist es ein Sport, der mehr erfordert als nur Athletik oder einfache technische Voraussetzungen wie beispielsweise Fußball. Es verbindet sehr viele verschiedene Komponenten, so dass man auch taktisch sehr viel machen kann, man ein bisschen Köpfchen braucht und es technisch sehr anspruchsvoll ist, um diesen Sport auf hohem Niveau auszuüben. Ich mag es auch, dass man sich in Bruchteilen von Sekunden entscheiden muss, was man macht. Und dadurch, dass man ständig Punkte macht, hat man immer ein Erfolgserlebnis. Das gefällt mir sehr an dem Sport.
Jordan: Als ich damals auf meine Highschool kam, wollte ich irgendeine Sportart machen, um dort andere Leute kennenzulernen. Unter anderem wurde Volleyball angeboten und so entschied ich mich dafür.
Erscheint ihr normalerweise eher zu früh oder zu spät?
Jordan: Nie zu früh, normalerweise pünktlich, was manchmal etwas zu spät ist.
Tomáš: Ich bin eher pünktlich, bei Terminen auch gerne ca. zehn Minuten früher. Zum Training sogar noch früher, denn bis man sich umgezogen hat etc., braucht es ja auch ein wenig Zeit. Ich habe nicht gerne den Stress auf der letzten Sekunde.
Was ist das Beste an eurem Leben als Profisportler?
Jordan: Für mich ist es, dass ich viel Zeit habe, um mich um mich selbst zu kümmern sowohl für den Sport, aber auch, um abseits vom Volleyball Dinge zu tun, die mich interessieren.
Tomáš: Das Beste ist für mich, dass wir keinen 9-to-5-Job haben, mit festen Arbeitszeiten, wo du nur im Büro sitzen musst usw. Wir sind relativ flexibel mit unseren Trainingszeiten, so dass wir den Tag ganz gut gestalten können. So habe ich das Gefühl, dass man als Profisportler generell das Leben noch viel mehr genießen kann, weil man tagsüber viel mehr Sachen machen kann, als wenn man den ganzen Tag im Büro sitzt. Da hätte ich wahrscheinlich das Gefühl, dass das Leben so an mir vorbeirauscht. Andererseits haben wir durch die Spiele nicht die Wochenenden zum Genießen. Im Profisport habe ich mehr das Gefühl, meine Zeit selber besser einteilen zu können und mich weniger an feste Zeiten halten zu müssen. Das ist das, was mir daran so gut gefällt. Und das sollte man am meisten genießen. Denn wenn man sich mit Leuten unterhält, die ihre Sportkarriere beendet haben und dann in einen „richtigen“ Beruf einsteigen, erzählen die, dass das die größte Umstellung für sie war.
Mit welchem Promi oder Promis (tot oder lebendig) würdet ihr gerne einmal zu Abend essen?
Tomáš: Gerne zum einen mit Barack Obama und zum anderen mit Tim Cook.
Jordan: Ich glaube, mit Dwayne „The Rock“ Johnson wäre es superinteressant. Er ist auf so vielen Ebenen mega erfolgreich. Das finde ich sehr beeindruckend.
Welche Serie habt ihr zuletzt einen ganzen Tag lang durchgeschaut?
Jordan: Seit ich hier bin, habe ich so einige gesehen. Aber die letzte war „Money Heist“, die ich auf Spanisch mit englischen Untertiteln gesehen habe.
Tomáš: Keine! Ich schaue keine Serien. Da bin ich wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt, der das nicht tut. Ich habe dafür aber auch keine Zeit. Ich bin mit Familie und Kind schon sehr ausgelastet und wenn meine Tochter abends ins Bett geht, dann bin ich froh, auch mal ein bisschen runterzukommen. Wir gehen außerdem sehr früh schlafen, da die Kleine schon ziemlich früh wach ist und das kriegst du sonst nicht hin. Zwar dauert so eine Folge meistens nicht lange, aber man muss ja auch dranbleiben, damit du auch die Story verstehst. Das schaffen wir aktuell nicht und deswegen gucken wir gerade auch keine Serien.
Welches Laster werdet ihr nicht los?
Jordan: Meine schlechteste Eigenschaft, bei der ich versuche, dass es besser wird: Ich liebe es, spät aufzustehen und lange zu schlafen. Es gibt schlimmeres, aber es wäre schön, wenn ich das besser in den Griff bekommen würde und konsequenter darin werde, früher ins Bett zu gehen.
Tomáš: Wahrscheinlich in einer gewissen Art und Weise meinen Perfektionismus und dass immer alles perfekt laufen muss. Ich kann mich schwer mit halbguten Sachen zufriedengeben. Sowohl im Sport als auch im normalen Leben. Mir ist auch vollkommen bewusst, dass ich es irgendwann mal sehr schwer haben werde, mich in irgendeinem Beruf zu integrieren, wenn ich beispielsweise einen Vorgesetzten habe, der mir sagt, was ich zu tun habe. Ich brauche diese Kreativität und diese Flexibilität und ich mache lieber Sachen selber, als sie abzugeben. Deshalb bin ich wahrscheinlich eher jemand, der selbständig sein oder etwas Eigenes aufbauen muss.
Lieber Wildcampen oder Luxushotel?
Tomáš: Luxushotel. Campen, mit dem Rucksack oder dem Wohnwagen durch die Gegend reisen, ist gar nicht meins.
Jordan: Meine Familie und ich waren immer sehr viel Campen. Ich mag zwar auch „normale“ Urlaube, aber ich liebe Camping. Ich lebe in der Stadt und ich genieße es sehr, wenn wir draußen in der Natur sind mit all der Ruhe um uns herum und ohne Internet etc.
Wer ist euer Lieblingssportler?
Jordan: Ich habe gar keinen Lieblingssportler. Ich schaue tatsächlich gar nicht so viel Sport und ich habe mich noch nie mit einem anderen Sportler identifiziert.
Tomáš: LeBron James ist schon ziemlich beeindruckend ebenso wie Christiano Ronaldo. Wie man in dem Alter immer noch so eine Perfomance über so viele Jahre bringen kann, ist für mich einfach unerklärlich. Man kann über Christiano Ronaldo sagen, was man will, aber er ist schon 36 und schießt in jeder Saison über 50 Tore, das finde ich einfach unfassbar. Klar haben sie andere Voraussetzungen, ein anderes Umfeld, können sich zu 120% auf den Sport konzentrieren und müssen sich über gar nichts Anderes Gedanken machen, weil ihnen alles andere serviert wird, aber das musst du halt auch erstmal bringen.
Der beste Song aller Zeiten?
Tomáš: Das kann ich gar nicht so beantworten. Ich höre ziemlich viel Musik, bin sehr flexibel und gehe mit der Zeit. Ich lege mich nicht auf ein Genre fest und höre immer das, was gerade im Moment Trend ist. Egal, ob das Schlager oder Deutschrap oder so ist. Was mir gerade gefällt, das höre ich. Alte Lieder höre ich gar nicht. Die Lieder, die ich gerade noch sehr mag, die verschwinden irgendwann einfach auch wieder.
Jordan: Durch meine Teamkollegen habe ich letztes Jahr den Song „La Bottine Souriante“ von La ziguezon kennengelernt. Es ist ein französisch-kanadischer Song. Ich weiß zwar nicht genau, worüber sie singen, aber ich finde es superlustig zuzuhören.
Wer war die verrückteste Person, der ihr bisher begegnet seid – Teamkollegen zählen eigentlich nicht?
Tomáš: Dennis Deroey in Kombination mit Blair Bann. Was die beiden damals 2012/2013 so gemacht haben, das war teilweise schon sehr verrückt, aber es hat Spaß gemacht. Deshalb die beiden mit einer leichten Tendenz zu Dennis.
Jordan: Sorry, aber da fällt mir tatsächlich niemand ein.
Auf was habt ihr einmal lange gespart?
Jordan: Eigentlich spare ich immer noch, aber nicht auf etwas Bestimmtes. Ich gebe nicht sehr viel Geld aus. Vielleicht kaufe ich mir mit dem Geld mal ein Haus oder gönne mir einen größeren Urlaub.
Tomáš: Ich glaube, ich habe am längsten auf den Malediven-Urlaub gespart. Früher, als Jugendlicher, habe ich natürlich auch auf andere Dinge, z.B ein Laptop länger gespart.
Kaffee oder Tee?
Tomáš: Das kann ich ganz klar beantworten: Kaffee!
Jordan: Kaffee.
Welche Sprache würdet ihr gerne fließend sprechen können?
Jordan: Eigentlich würde ich Deutsch sagen, aber da ich aus Vancouver komme und dort auch viele Leute aus Asien sind, wäre es ziemlich cool, wenn ich Mandarin sprechen könnte. Das können nicht so viele nicht-asiatische Menschen und damit würde ich schon ziemlich herausstechen und viele Leute damit überraschen.
Tomáš: Spanisch fehlt mir noch in meinem Repertoire. Wenn ich das könnte, könnte ich mich fast auf der ganzen Welt unterhalten. Den Ostblock habe ich eigentlich ganz gut drauf, den englischsprachigen Bereich sowieso. Chinesisch oder allgemein die asiatischen Sprachen reizen mich nicht so. Aber wenn ich Spanisch noch könnte, käme ich schon ziemlich weit, gerade auch im südamerikanischen Raum.
Welche Superkraft hättet ihr gerne?
Tomáš: Ich würde gerne in die Zukunft blicken können.
Jordan: Gedankenlesen wäre nicht schlecht, aber andererseits möchte ich auch nicht wirklich alles wissen, was die Leute so denken. Deshalb wäre es wohl besser, wenn ich Dinge mit meinen Gedanken bewegen könnte. Einfach irgendwo rumsitzen und Sachen zu mir fliegen lassen.
Was macht euch so richtig wütend?
Tomáš: Das hat auch wieder was mit meinem Laster zu tun. Wenn man Dinge nur so halbherzig macht und nicht voll durchzieht, das ärgert mich manchmal sehr. Wenn ich merke, wenn jemand eine Aufgabe hat und er diese nur so halbherzig macht, das bringt mich auf die Palme.
Jordan: Ich versuche eigentlich, ziemlich geduldig zu sein, aber wenn ich wütend bin, dann meistens wegen etwas, das eine Person getan hat.
Euer bislang schwerster Moment in eurer Sportkarriere?
Jordan: Das war eigentlich das letzte Jahr. Mit dem Umzug nach Deutschland musste ich sehr schnell lernen, selbstständig zu werden, Verantwortung zu übernehmen und mich um alles selbst zu kümmern, dazu noch in einem fremden Land mit einer fremden Sprache.
Tomáš: Bei mir war es das letzte Spiel um die deutsche Meisterschaft mit Friedrichshafen. Wir hatten gegen Berlin das fünfte Spiel zu Hause und haben das verloren. Das war mein größter Traum und ist es immer noch, Deutscher Meister zu werden, und dann standen wir wirklich ganz knapp davor, den Titel zu holen und haben es nicht geschafft.

Interview: Stefanie Schneider