Doppelblock mit Sebastian Gevert und Tobias Brand

Was war euer schönster Sieg?
Sebastian: Ich würde sagen, mein schönster Sieg war entweder der gegen Friedrichshafen im Pokal-Viertelfinale 2012 hier in Düren oder das erste Spiel nach meiner langen Verletzung, als wir in Tschechien die Meisterschaft geholt haben.
Tobias: Für mich war es der knappe Sieg im Halbfinale diesen Sommer auf der Beach Tour in St. Peter Ording.

Eure bitterste Niederlage?
Tobias: Eine bittere Niederlage kenne ich zum Glück noch nicht, aber ich mag es grundsätzlich nicht, gegen direkte Konkurrenten zu verlieren.
Sebastian: Ich mag es auch allgemein nicht zu verlieren, aber meine bitterste Niederlage war 2015 das Pokal-Halbfinale in Lüneburg. Die Lüneburger waren erst in dieser Saison aus der 2. Liga aufgestiegen, d.h. wir hätten eigentlich eine gute Chance gehabt, gegen sie zu gewinnen. Stattdessen schlugen sie uns im fünften Satz und standen somit im Finale.

Eure Erinnerung an euer erstes Profispiel?
Sebastian: Mein erstes Profispiel war 2010 für Palma in Spanien. Ich kam damals aus Chile, es war meine erste Profisaison, ich war alleine in Palma und musste direkt spielen. Das war alles ganz schön aufregend. Als ich dann allerdings einmal auf dem Feld stand, ging es mit der Aufregung. Dann habe ich mein normales Programm abgespult und einfach Volleyball gespielt.
Tobias: Das ist bei mir ja noch gar nicht so lange her. Es war das Spiel gegen Königs Wusterhausen und ich habe direkt von Anfang an spielen können. Das war schon toll.

Vervollständigt bitte diesen Satz: Ein Leben ohne Volleyball …
Sebastian: … würde kein Leben für mich sein. Ich spiele, seit ich fünf Jahre alt bin und bin nun seit zehn Jahren Profi. Alle in meiner Familie haben immer Volleyball gespielt: mein Vater, meine Brüder und jetzt auch meine Kinder. Wenn ich selbst kein Spiel habe, gehe ich zu den Spielen meiner Kinder. Volleyball ist also ein ganz großer Teil meines Lebens.
Tobias: … ist für mich nicht vorstellbar. Jedes Wochenende, im Sommer und im Winter spiele ich Volleyball. Keine Ahnung, wie es ohne wäre.

Welcher Teamkollege hat den besten Humor?
Sebastian: Außer mir? Nein, das war Spaß. Alle hier haben unterschiedlichen Humor. Ich habe viel Spaß mit Eric und Tobi, ich mag ihre jugendlichen Witze. Tim ist auch ein sehr lustiger Typ mit seinem eigenen Humor, den man erst verstehen muss, da er grundsätzlich nicht viel redet.
Tobias: Ich finde Blair sehr witzig, aber mit Seba habe ich auch viel Spaß.

Wo macht ihr gerne Urlaub?
Sebastian: Bei mir ist der Urlaub abhängig von meiner Familie, da muss man sich etwas anpassen. Aber wenn ich für mich alleine entscheiden könnte, würde ich gerne in die Berge fahren. Ich liebe Berge, ich liebe Schnee, ich liebe Winter. Ich würde eigentlich auch lieber Winter- als Sommerurlaub machen, aber das geht wegen meines Jobs beim Volleyball nicht. Deshalb fahren wir eher an den Strand, da hat meine Familie den größten Spaß.
Tobias: Durch die Beachvolleyball-Tour bin ich viel an schönen Orten und Stränden. Und in Riccione beim Beachfestival war ich ebenfalls. Das ist alles schon teilweise wie Urlaub. Wenn es aber nichts mit Volleyball zu tun hat, dann bin ich am liebsten im Schnee. Die Berge würde ich auch dem Strand vorziehen.

Wenn ihr eine beliebige Aktivität olympisch machen könntet, bei welcher hättet ihr gute Aussichten auf eine Medaille?
Tobias: Ich glaube, das wäre bei mir dann für Auf-den-Boden-schauen. Ich versuche das zwar größtenteils zu vermeiden, aber ich schaue schon wirklich viel nach unten.
Sebastian: Meine Kinder würden jetzt wahrscheinlich sagen: im Böse-Gucken. Ich persönlich würde sie mir jedoch fürs Schlafen geben. Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag im Bett liegen und schlafen.

Euer Lieblingssport nach dem Volleyball – aktiv oder im TV?
Sebastian: Ich schaue total gerne Tennis und Snowboarden. Gerne würde ich auch beides selber machen, aber das geht nun mal wegen der Profikarriere nicht. Zum einen habe ich keine Zeit dafür und zum anderen ist das Verletzungsrisiko zu hoch. An dem Tag, an dem ich aufhöre, Volleyball zu spielen, werde ich mir Winterurlaub buchen und skifahren und snowboarden.
Tobias: Im Fernsehen schaue ich sehr gerne Wintersport wie beispielsweise Abfahrt oder Bobfahren. Aktiv mag ich besonders generell Ballsportarten.

Wie lautet euer Spitzname und wie ist er entstanden?
Sebastian: Mein Spitzname ist Spidy, den ich seit 2012 habe. Dennis Deroey hat ihn mir gegeben, da ich beim Krafttraining immer rote Handschuhe getragen habe. Das erinnerte ihn wohl an Spiderman und so ist Spidy irgendwann entstanden.
Tobias: Der Klassiker ist natürlich Tobi. Hier in Düren werde ich häufig Weinmeister genannt. Das ist ein neuer Name für mich.

Als Kind war Euer Berufswunsch?
Sebastian: Als Kind wollte ich gerne Tierarzt werden. Ich liebe Tiere, ich habe immer sehr viele Hunde zu Hause gehabt. Sportlehrer war aber auch ein Traumberuf für mich.
Tobias: Als Kind wollte ich gerne Polizist bei einem Sondereinsatzkommando sein.

Eure Lieblingsapp?
Tobias: Instagram
Sebastian: Instagram oder Facebook, da kann ich mich nicht so ganz entscheiden.

Wie viele Sprachen sprecht ihr?
Tobias: Deutsch und Englisch.
Sebastian: Vier: Spanisch, Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Italienisch verstehe ich gut, kann ich aber nicht sprechen. Russisch würde ich gerne noch lernen. Ich habe versucht, es mir mit einer App selber beizubringen, aber das klappt nicht wirklich. Diese Sprache ist so schwierig zu lernen, da braucht man einen Lehrer, der es einem beibringt. Vielleicht helfen mir Ivan oder Egor ein bisschen dabei.

Welches Fach habt ihr in der Schule am meisten gemocht und welches am wenigsten?
Sebastian: Das ist einfach: Mathe habe ich geliebt, Physik habe ich gehasst.
Tobias: Ich habe Sport geliebt, Englisch habe ich absolut gehasst.

Frühaufsteher oder Langschläfer?
Tobias: Frühaufsteher
Sebastian: Frühaufsteher – auf jeden Fall!

Wie bereitet ihr euch auf ein Spiel vor? Habt ihr Rituale o.ä.?
Sebastian: Puh, die Liste ist lang. Rituale ist zu viel gesagt, aber ich habe einen bestimmten Ablauf. Ich stehe früh auf, gehe dann gerne spazieren. Zum einen, weil ich es wegen des Hundes sowieso muss, zum anderen aber auch, weil ich es mag. Dann trinke ich meinen Kaffee und gehe zum Frühtraining. Danach findet das Mittagessen mit dem Team statt und anschließend fahre ich nach Hause und versuche, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Dann gibt es noch einen kleinen Mittagsschlaf und ca. 1,5 bis 2 Stunden vor dem Spiel bin ich schon in der Halle, um mich in Ruhe fertig zu machen und noch ein bis zwei Kaffee hier zu trinken. Bei Auswärtsspielen versuche ich es ähnlich zu machen, was aber schwieriger ist, weil man nicht den Rhythmus mit der Familie etc. hat.
Tobias: Ein wenig wird einem hier der Ablauf vorgegeben bspw. durch das gemeinsame Mittagessen, ein bestimmtes Ritual habe ich nicht. Allerdings habe ich es mir seit ein paar Jahren angewöhnt, vor dem Spiel immer 1:1 oder 2:2 auf dem 3-Meter-Feld zu spielen.

Was darf in eurem Kühlschrank niemals fehlen?
Sebastian: Das ist schwer bei mir, denn es dürfen wegen der Kinder viele Sachen nicht fehlen. Für mich speziell darf aber Fleisch auf gar keinen Fall im Kühlschrank fehlen.
Tobias: Keine Ahnung warum, aber bei mir ist es immer eine Tube Thunfisch.

Was möchtet ihr nach eurer Karriere als Profispieler machen?
Sebastian: Ich habe Sportmanagement studiert, in Chile habe ich BWL gemacht und ich würde gerne noch mein Sportdiplom in Köln absolvieren. Entweder würde ich gerne in einer Schule als Sport- und Spanischlehrer arbeiten oder irgendetwas anderes mit Sport und Menschen wie zum Beispiel Reha-Sport oder Kindern Sport näherbringen.
Tobias: Ich bin kein Universitätsmensch und würde lieber eine Ausbildung machen. Meine Ausbildung zum Winzer habe ich bereits angefangen und die werde ich dann wohl irgendwann fortsetzen.

Interview: Stefanie Schneider