Doppelblock mit Björn Andrae und Blair Bann

Was war euer schönster Sieg?
Blair: 2016 habe ich mit der kanadischen Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilgenommen. Unser erster Gegner waren die USA und im Gegensatz zu ihnen sind wir nicht gerade als Favorit in den Wettbewerb gegangen. Doch dann haben wir sie 3:0 geschlagen. Für Kanada war das die erste Teilnahme an Olympia nach 24 Jahren und dass wir auch noch im ersten Spiel ausgerechnet gegen die USA gewonnen haben, das ist für mich wirklich ein Lieblingssieg.
Björn: Bei mir war es die Olympiaqualifikation 2008 in Düsseldorf. Für Deutschland war es die erste olympische Teilnahme seit 36 Jahren und durch Siege über Kuba und Spanien mit jeweils 3:2 haben wir die Qualifikation für Peking geschafft. Diese beiden Siege waren für mich die prägendsten und die, die am intensivsten im Kopf bleiben.
Und eure bitterste Niederlage?
Björn: Niederlagen sind immer bitter, aber bei den Olympischen Spielen 2012 in London haben wir den Einzug ins Halbfinale durch eine 0:3-Niederlage gegen Bulgarien verpasst. Das Bittere daran war, dass wir uns nicht wirklich gut verkauft haben. Hätten wir unsere normale Leistung abgerufen, hätten wir gute Chancen gehabt, gegen Bulgarien zu gewinnen, aber das haben wir nicht geschafft. Das tat schon ziemlich weh, denn die Chance, das Halbfinale bei Olympischen Spielen zu erreichen, ist normalerweise ziemlich gering und das haben wir uns selber verspielt.
Blair: Das war bei mir in der Olympiaqualifikation das Spiel gegen Kuba. Es fand zu Hause in Kanada statt, wir galten als die Favoriten. Alle waren da, Familie und Freunde, die Stimmung war gut und dann haben wir verloren. Es gab zwar noch eine zweite Chance, aber diese Niederlage war für uns ziemlich bitter.
Eure Erinnerung an euer erstes Profispiel?
Blair: 2012 hier in Düren. Davor habe ich an der Universität in Kanada gespielt und ein Jahr mit der Nationalmannschaft trainiert. Woran ich mich immer erinnern werde aus diesem Spiel war eine Abwehr mit dem Fuß, bei der ich auf die Tribüne geflogen bin. Ein Freund hat damals gesagt „Düren will always love you“, sie werden sich immer an diese Aktion erinnern.
Björn: Mein erstes Profispiel war 1999 in Friedrichshafen. An das wirklich erste Spiel kann ich mich gar nicht mehr so erinnern. Ich glaube, das liegt daran, dass man so unter Strom steht und seinen Puls überhaupt nicht mehr im Griff hat. Ich weiß noch nicht einmal mehr, gegen wen überhaupt mein erstes Spiel war.
Was ist das Kurioseste, das euch jemals beim Volleyball passiert ist?
Björn: Das Verrückteste ist mir in Griechenland passiert als ich für Panathinaikos Athen gespielt habe. Wir standen im Pokalfinale gegen Olympiakos und während wir uns vor dem Spiel warm gemacht haben, stürmten auf einmal dreißig Männer mit Motorradhelmen in die Halle. Die Rivalität zwischen den einzelnen Mannschaften ist in Griechenland sehr hoch und eigentlich darf zu den Auswärtsspielen das gegnerische Team nicht mit seinen Fans kommen, außer im Pokal. Das Pokalfinale wurde daraufhin sofort abgebrochen, wir wurden mit einer Polizeieskorte aus der Halle raus begleitet. Irgendwann wurde dieses Spiel dann unter Ausschluss aller Fans wiederholt.
Blair: Wenn dir etwas Lustiges auf dem Feld passiert, ist es eigentlich nicht mehr so lustig. Als ich noch an der Uni gespielt habe, musste ich als Libero auf der Position des Außenangreifers einspringen. Bei meinem ersten Aufschlag ist der Ball dann leider unter dem Netz durchgegangen. Das war ziemlich peinlich. Der zweite Aufschlag ging dann glücklicherweise über das Netz.
Welcher Teamkollege hat den besten Humor?
Blair: Björn! Und Eric! Der Älteste und der Jüngste. Aber ich muss auch sagen, dass wir ein sehr, sehr lustiges Team dieses Jahr haben, die Stimmung ist immer gut. Es ist das humorvollste Team, in dem ich jemals gespielt habe.
Björn: Das stimmt. Die Mannschaft hat in Sachen Humor unglaublich viel Potenzial und Blair ist unsere Batterie. Wenn alle anderen müde sind, dann ist er wie ein Aufziehmännchen, rennt durch die Kabine und verbreitet wieder eine gute Stimmung und zieht damit alle mit.
Wo macht ihr gerne Urlaub?
Blair: Da ich seit zehn Jahren für die Nationalmannschaft spiele, habe ich nicht viel Zeit für Urlaub. Mehr als ein oder zwei Wochen bleiben selten für Urlaub im Sommer übrig. Und diese Zeit verbringe ich dann am liebsten zu Hause bei meinen Eltern in Edmonton. Aber ich möchte irgendwann auch einmal richtigen Strandurlaub machen, auf Bali oder in Südostasien.
Björn: Zu der Zeit, als ich auch noch in der Nationalmannschaft gespielt habe, war das bei mir auch mein Zuhause. Du warst froh, wenn du auch mal zu Hause sein konntest. Seitdem ich nicht mehr spiele, ist es überall. Ich bin in ganz viele Orte verliebt, ich bin ziemlich viel gereist. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist und was ich sehr speziell fand, ist Key West in Florida. Da würde ich mich jederzeit wieder hinbegeben wollen.
Wenn ihr eine beliebige Aktivität olympisch machen könntet, bei welcher hättet ihr gute Aussichten auf eine Medaille?
Björn: Vor zehn bis fünfzehn Jahren wäre es wahrscheinlich irgendetwas mit „Computerspielen“ gewesen. Wir waren süchtig nach World of Warcraft und haben in jeder freien Minute gespielt. Mittlerweile fällt mir die Wahl etwas schwerer. Aber ich glaube, ich bin ein ganz guter Pokerspieler. Da hätte ich vielleicht ganz gute Chancen auf eine Medaille.
Blair: Nach dem Training spielen wir häufig noch auf dem kleinen Feld, nicht nur Volleyball. Wenn es einen Zehnkampf mit Minigames gäbe, stände ich wohl auf dem Treppchen.
Euer Lieblingssport nach dem Volleyball – aktiv oder im TV?
Björn: Aktiv habe ich seit zwei oder drei Jahren Tennis für mich entdeckt. Ich habe alles gerne gemacht, ich spiele z.B. auch sehr gerne Basketball, Handball etc. Ich war aber auch in meiner Kindheit mal vier Jahre lang Schwimmer. Im Fernsehen schaue ich mir sehr gerne die NBA oder Football in der NFL an.
Blair: Ich schaue auch gerne Basketball im Fernsehen – Europa, USA oder Kanada. Selber spiele ich gerne Fußball oder Badminton.
Wie lautet euer Spitzname und wie ist er entstanden?
Blair: In dieser Saison hat sich noch kein Spitzname durchgesetzt. Beim letzten Mal, als ich hier war, wurde ich häufig Pony genannt. Marvin Prolingheuer hatte hier noch gespielt und ich erinnerte ihn wohl an ein kleines Shetlandpony. Sebastian Gevert nennt mich manchmal noch so, er war damals auch dabei.
Als Kind war euer Berufswunsch?
Björn: Als ich wirklich klein war, wollte ich eigentlich Cowboy werden. Mein erster wirklicher Berufswunsch, den ich bewusst hatte, ist Erzieher gewesen. Meine Mutter war Erzieherin und ich hatte durch den Besuch einer entsprechenden Fachschule auch schon diese Richtung eingeschlagen. Ein Praktikum im Kindergarten hatte ich auch schon absolviert, das hat mir Spaß gemacht. Wäre ich nicht Profisportler geworden, wäre ich jetzt wahrscheinlich Sozialpädagoge.
Blair: Als kleiner Junge wollte ich Feuerwehrmann und Profifußballer werden.
Eure Lieblingsapp?
Blair: Ich höre eigentlich den ganzen Tag Musik, deshalb ist Spotify für mich die wichtigste App.
Björn: Meine Lieblingsapp ist es vielleicht nicht gerade, aber es ist die, die ich definitiv am häufigsten und sinnvollsten nutze: meine Navigationsapp. Ich fahre überall mit dieser App hin, ich weiß vorher nie, wie ich irgendwo hinkomme. Ich gebe immer die Adresse oder den Standort ein und lasse mich dann leiten.
Wie viele Sprachen sprecht ihr?
Blair: Deutsch vielleicht nicht ganz so gut, aber es funktioniert. Ansonsten natürlich noch Englisch und Französisch, da mich meine Eltern auf eine französische Schule geschickt hatten.
Björn: Mein Deutsch geht. Daneben noch Englisch und ich verstehe und spreche ein kleines bisschen Russisch. Italienisch spreche ich fließend, da ich sechs Jahre lang in Italien gespielt habe und der Italiener an sich sich weigert, mit dir Englisch zu reden. So habe ich ab dem ersten Tag dort Italienisch lernen müssen und nach dem ersten Jahr hat es dann auch schon gut geklappt.
Welches Fach habt ihr in der Schule am meisten gemocht und welches am wenigsten?
Björn: Sport war ganz klar meins, am wenigsten war es glaube ich Deutsch. Diese Aufsätze und Diktate habe ich immer gehasst. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass ich wohl nicht viele Fächer habe, die ich richtig toll fand.
Blair: In den höheren Klassen hatte ich große Probleme mit Mathematik. Biologie fand ich dagegen gut. Mein Vater ist Biologe, so dass meine Schwester und ich mit Biologie quasi aufgewachsen sind.
Frühaufsteher oder Langschläfer?
Blair: Mal so oder so. Ich komme mit meinem Schlaf ganz gut hin und schlafe so, wie ich es brauche. Mal stehe ich früh auf, ich kann aber auch gut lange schlafen.
Björn: Ich bin eher der Nachtaktive und also eher der Langschläfer. Ich kann zwar nicht mehr ganz so lange schlafen wie früher, aber ich gehe lieber sehr spät ins Bett und schlafe dafür am nächsten Tag lange, als dass ich früh ins Bett gehe, um am nächsten Tag früh aufzustehen.
Wie bereitet ihr euch auf ein Spiel vor? Habt ihr Rituale o.ä.?
Björn: Das ist bei mir ziemlich simpel, denn ich habe so gut wie keine Rituale. Unser Spieltag ist eigentlich immer gleich strukturiert mit einem frühen Training und einem gemeinsamen Mittagessen. Drumherum probiere ich, den Spieltag so entspannt wie möglich zu halten und fokussiere mich erst wirklich, wenn ich in die Kabine eintrete und spiele. Vorher versuche ich, alles nicht ganz zu sehr an mich ranzulassen. Bisher klappt es ganz gut.
Blair: Ich habe eine kleine Tradition: Ich habe zwei Freunde aus Kanada, u.a. Jay Blankenau, und an jedem Spieltag whatsappen wir zusammen. Dann mache ich einen kurzen Mittagsschlaf, esse etwas und gehe zur Halle.
Was darf in eurem Kühlschrank niemals fehlen?
Björn: Ich habe immer eine Tiefkühlpizza für den absoluten Notfall und Käse im Kühlschrank. Das sind die beiden Sachen, mit denen ich erstmal überleben kann. Die Pizza bleibt manchmal über Monate unangerührt, Hauptsache, ich weiß, dass sie da ist und ich im Zweifel nicht nach dem Training noch einkaufen muss.
Blair: Hafer- oder Reismilch und Obst für meinen Smoothie. Und ein oder zwei Bier für den Notfall.
Welches Bier?
Blair: Diese Saison Kölsch!
Was ist eine Sache, die ihr ausprobiert habt und niemals wieder machen wollt?
Björn: Ich habe noch nichts ausprobiert, was ich nicht probieren und machen wollte. Ich habe zum Geburtstag mal einen Gutschein für Houserunning geschenkt bekommen – das habe ich nicht gemacht. Auch Bungeejumping und Ähnliches würde ich nicht machen. Eher lasse ich mich aus dem Flugzeug fallen.
Blair: Mettbrötchen! Ich habe es probiert, aber ich würde es niemals wieder essen!
Was möchtet ihr nach eurer Karriere als Profispieler machen?
Blair: Ich möchte auf jeden Fall beim Volleyball bleiben und würde gerne Trainer werden.
Björn: Im Volleyball bleiben wäre schön, aber nicht unbedingt als Trainer. Außer Jugendtrainer vielleicht, aber nicht im Profibereich. Ich könnte mir jedoch auch so einiges anderes vorstellen, Spielervermittler, Agent o.ä. Ansonsten werde ich mich überraschen lassen. Die Frage wird mir in letzter Zeit nun mal häufiger gestellt, aber ich merke immer wieder, dass ich noch so in der Materie drin bin, dass ich selten über den Tellerrand hinausgucke und dadurch Input von was anderem bekomme, deshalb wird es wohl im Sportbereich bleiben.