Doppelblock mit Blair Bann und Craig Ireland

Sommer oder Winter?
Blair: Sommer – zu 100%.
Craig:: Ebenfalls. Ich mag zwar auch den Winter, wenn es zum Beispiel um Weihnachten herum schneit, aber direkt nach Weihnachten darf es auch dann gerne wieder warm werden.
Warum Volleyball?
Craig:: Ich weiß es nicht genau. In der siebten Klasse habe ich Volleyball als Sportfach gewählt, weil ich dachte, es würde mir vielleicht Spaß machen. Aber eigentlich wählte ich es eher, weil viele meiner Freunde auch in diesem Kurs waren. Und da wir dann alle zusammen waren, hat es mir von Anfang an großen Spaß gemacht. Im Sommer habe ich dann noch Beachvolleyball gespielt und ich fing an, es wirklich zu genießen. So konnte ich mit meinen Freunden zusammen und dabei aktiv sein.
Blair: Ich habe damals mit Fußball angefangen und in der neunten oder zehnten Klasse bin ich zum Volleyball gewechselt. Dabei bin ich dann irgendwie hängengeblieben. Hätte ich damals mit Volleyball angefangen und wäre dann erst zum Fußball gewechselt, wäre ich jetzt wahrscheinlich Fußballer.
Als ich älter wurde, habe ich mich dazu entschlossen, auch wettkampfmäßig zu spielen. So ging es auf der Uni dann weiter und irgendwann war ich in der Nationalmannschaft. Es hat sich alles irgendwie so ergeben.
Erscheint ihr normalerweise eher zu früh oder zu spät?
Blair: Ich glaube, ich kann für uns beide sagen, dass wir immer viel zu früh da sind. Ich bin lieber schon etwas früher hier, als dass ich untätig zu Hause rumsitze. Ich habe herausgefunden, dass es mir sehr viel hilft, wenn ich früher da bin und dadurch ein bisschen mehr trainieren kann.
Abseits vom Volleyball bin ich immer sehr pünktlich, ich mag es nicht, zu spät zu sein oder wenn andere sich verspäten. Ich denke, wenn ich es bei anderen nicht mag, dann sollte ich mich auch selbst daran halten, pünktlich zu sein.
Craig:: Ich bin auch gerne zu früh da. Es stresst mich, wenn ich unter Zeitdruck stehe, so dass ich meistens früher da bin und dabei entspannt bin. An der Uni sagte mal ein Coach zu mir: „Early is on time“ (Früh ist pünktlich). Wenn wir also bei Teamtreffen fünf Minuten zu früh da waren, waren wir eigentlich schon zu spät, so dass es für mich eine neue Normalität wurde, zu früh zu sein.
Was ist das Beste an eurem Leben als Profisportler?
Craig:: Ich weiß es noch gar nicht, ich bin ja erst seit ein paar Monaten einer. Aber bisher genieße ich es, dass ich so viel und intensiv trainieren kann und dadurch immer besser werde.
Blair: Wenn du Sport und im Speziellen Volleyball so sehr magst, ist es natürlich das Allergrößte, wenn du das professionell machen kannst und damit auch noch Geld verdienst. Abgesehen davon genieße ich es auch sehr, mit anderen zusammen zu sein, die den Sport genauso lieben wie ich, mit ihnen zu trainieren und keinen 9-to-5-Job machen zu müssen. Zwischen den Trainings haben wir Zeit, um z.B. bewusst zu kochen und um uns um unseren Körper zu kümmern, was uns im Sport zugutekommt.
Mit welchem Promi oder Promis (tot oder lebendig) würdet ihr gerne einmal zu Abend essen?
Blair: Michael Jordan oder Kobe Bryant. Als ich mit der Nationalmannschaft gegen die bekannten Volleyballspieler gespielt habe, habe ich sie nicht als Berühmtheit angesehen. Und ich würde lieber mit Sportlern etwas essen gehen als mit irgendeinem Schauspieler.
Craig:: Ich würde auch Kobe Bryant auswählen oder aber auch Dwayne „The Rock“ Johnson. Beide sind verrückte Sportler mit coolen Lebensgeschichten und ich würde gerne mal erleben, wie sie ticken.
Welche Serie habt ihr zuletzt einen ganzen Tag lang durchgeschaut?
Craig:: Peaky Blinders. Wir waren vor kurzem auf einer Art Roadtrip unterwegs und währenddessen habe ich fast alle fünf Staffeln durchgeschaut.
Blair: Ich habe vielleicht nicht einen ganzen Tag damit verbracht, sie zu schauen, aber immer wieder ein paar Folgen hintereinander: 24. Dafür sind einige Sonntage draufgegangen.
Welches Laster werdet ihr nicht los?
Blair: Das hat bei mir viel mit dem Telefon zu tun. Ich versuche immer wieder, es abends früher wegzulegen und nicht mehr draufzuschauen, aber das ist hart und klappt meistens nicht. Ständig blinkt es grün auf und ruft mir zu, ich solle es checken.
Craig:: Ich versuche ähnlich, Social Media etwas weniger zu benutzen, aber das ist nicht so einfach, weil wir zwischendurch doch immer wieder etwas Leerlauf haben. Gerade zu dieser Zeit des Lockdowns und neu in einem fremden Land, ist es schwierig, sich andere Hobbys oder Beschäftigungen zu suchen, die einen davon ablenken. Social Media oder auch Netflix rauben mir dabei ganz schön viel Energie. Es ist noch okay, es beeinflusst nicht mein Training oder den Fokus darauf. Aber etwas weniger wäre wahrscheinlich besser.
Lieber Wildcampen oder Luxushotel?
Blair: Für mich ist es abhängig davon, wann es ist. Beides ist in Ordnung. Früher war ich häufig mit meiner Familie campen. Wir waren am See, haben Lagerfeuer gemacht und in Zelten geschlafen. Aber als ich älter wurde und mehr Geld zur Verfügung hatte, war es auch ganz schön, in einem Luxushotel seinen Urlaub zu verbringen. Man musste seine Zähne nicht mehr mit Hilfe einer Wasserflasche putzen und ähnliches. Aber unterm Strich mag ich beides sehr und ich kann mich nicht wirklich festlegen.
Craig:: Ich mag Luxushotels ein wenig mehr, aber ich habe auch ziemlich coole Erlebnisse mit meinem Bruder im Sommer beim Campen gehabt. Wir waren fünf Tage mit einem Kanu in der kanadischen Wildnis unterwegs. Es war einer meiner besten Trips, die ich jemals habe, aber am Ende würde ich mich trotzdem eher für den Luxusurlaub entscheiden. Ein schönes Hotel am Strand wäre schon traumhaft.
Wer ist euer Lieblingssportler?
Craig:: Auf jeden Fall Kobe Bryant.
Blair: Für mich auch, aber ich finde auch Rafael Nadal großartig. Ich mag eigentlich ziemlich viele Sportler und es fällt mir schwer, mich für einen zu entscheiden.
Der beste Song aller Zeiten?
Blair: Ich kann mich nicht so wirklich festlegen. Es wechselt immer mal. Aber ich mag einige Sachen von Queen. Es ist definitiv nicht mein Lieblingssong, aber er läuft immer mal wieder: Bohemian Rhapsody. Ich habe dieses Lied sicherlich mindestens schon zehntausendmal gesungen.
Craig:: Den einen Song kann ich nicht benennen, aber ich habe eine Lieblingsband: ACDC ist meine Nummer 1.
Wer war die verrückteste Person, der ihr bisher begegnet seid – Teamkollegen zählen eigentlich nicht?
Blair: 2012 habe ich hier zusammen mit Dennis Deroey gespielt. Es war mein erstes Jahr in Europa und vielleicht wirkte er nur deshalb auf mich so verrückt und eigentlich war er ganz normal. Aber er war trotzdem einer der verrücktesten Menschen, die ich jemals kennengelernt habe.
Craig:: Außerhalb der Volleyballcommunity kenne ich eigentlich keine verrückten Menschen. Aber ein ehemaliger Mannschaftskamerad – Connor Santoni – war definitiv verrückt. Er war immer voller Energie, hat rumgebrüllt und rumgeschrien. Aber er war auch ein großartiger Teamkollege.
Blair: Oh ja, ich habe mit seinem großen Bruder Tyler zusammengespielt. Der war auch ganz schön durchgeknallt.
Auf was habt ihr einmal lange gespart?
Blair: Aktuell spare ich, um mir irgendwann mal ein Haus oder eine Wohnung kaufen zu können.
Craig:: Meine Freundin und ich haben letztes Jahr viel gespart, um dieses Jahr einen besonderen Urlaub machen zu können. Eine Woche, bevor wir aufbrechen wollten, kam der Lockdown. Das Geld ist zwar noch da, aber es war trotzdem eine Riesenenttäuschung. Mal sehen, wann wir das nachholen können.
Kaffee oder Tee?
Craig:: Auf jeden Fall Kaffee.
Blair: Kaffee!
Welche Sprache würdet ihr gerne fließend sprechen können?
Blair: German! Zu 100% auf jeden Fall Deutsch!
Craig:: Französisch fände ich cool, da Kanada ja teilweise französisch ist. Meine Schwester spricht fließend Französisch und das ist schon ziemlich praktisch.
Blair: Wenn ich plötzlich eine Sprache sprechen könnte, wäre Japanisch oder Chinesisch auch ganz cool. Niemand rechnet damit, dass du es kannst und man kann damit dann ziemlich beeindrucken.
Welche Superkraft hättet ihr gerne?
Blair: Ich würde gerne fliegen können. Ich wollte schon als Kind ein Cape haben, womit ich fliegen kann. Das waren damals schon die absoluten Superhelden für mich.
Craig:: Ich würde mich gerne teleportieren können.
Was macht euch so richtig wütend?
Blair: Ich hasse es, wenn mir etwas kaputtgeht. Dabei bin ich eigentlich ein ziemlich sorgloser Mensch. Eine schwierige Kombination. Aber ansonsten werde ich außerhalb des Sports nicht so schnell wütend.
Craig:: Außerhalb vom Volleyball bringt es mich auf die Palme, wenn mich jemand offensichtlich anlügt.
Euer bislang schwerster Moment in eurer Sportkarriere?
Craig:: Das war für mich letztes Jahr, als die Covid-19-Pandemie ausgebrochen ist und die Canada Nationals abgesagt werden mussten. Das war aus dem Grund hart für mich, weil es die letzte Möglichkeit für mich gewesen wäre, dort mitzuspielen, da es mein letztes Jahr an der Uni war.
Blair: Es gibt immer mal wieder einige Hochs und Tiefs, aber das erste, was mir bei dieser Frage einfiel, war, als ich mit 15 Jahren aufgehört habe, Fußball zu spielen. Es war zwar gut für Volleyball, aber die Entscheidung gegen Fußball tat trotzdem weh. Am Ende der Saison stand ich meinem Team gegenüber und musste ihnen verkünden, dass ich aufhöre und sie verlasse – das war wirklich sehr hart für mich.

Interview: Stefanie Schneider