Doppelblock mit Michael Andrei und Ivan Batanov

Was war euer schönster Sieg?
Ivan: Das war bei der Jugend-Europameisterschaft 2018. Da sind wir zwar schon in der Gruppenphase ausgeschieden und es ging leider nicht mehr um eine Medaille. Aber wir hatten noch ein Spiel gegen Italien, die in diesem Jahrgang wirklich sehr gut gewesen sind, aber eine schwere Gruppe gehabt haben und dort ebenfalls rausgeflogen sind. Gegen sie haben wir 3:2 gewonnen, was unser ganzes Team noch einmal hochgepusht hat und eine kleine Entschädigung für das verpasste Halbfinale war.
Ein besonderer Sieg war auch das Spiel hier gegen Frankfurt. Das hat wirklich Spaß gemacht und ich war echt froh, dass wir das nach dem 0:2-Rückstand noch gedreht haben.
Michael: In meinem letzten Auslandsjahr auf Korsika, als wir den Pokal gewonnen haben. Das war der erste nationale Sporttitel für die Insel und deshalb schon etwas Großes. Und dann gab es auch noch die Europaspiele 2015 in Baku. Das ist natürlich schon etwas Besonderes, wenn du mit der Nationalmannschaft Gold holst.
Und eure bitterste Niederlage?
Ivan: In der EM-Quali vor der zuvor genannten. Das war zugleich meine erste EM-Qualifikation mit der Jugend. Auch da haben wir gegen Italien gespielt, aber 2:3 verloren, sodass wir deshalb nicht bei der folgenden Europameisterschaft mitspielen konnten. Die ganze Mannschaft war danach lange sehr geknickt, wir waren damals alle 15 und 16 Jahre alt. Das war noch sehr schwer für uns, das zu verarbeiten.
Michael: Die bitterste Niederlage für mich müsste das EM-Viertelfinale 2015 in Bulgarien gegen Bulgarien vor 12.000 Bulgaren gewesen sein. Das war absolut nicht schön.
Eure Erinnerung an euer erstes Profispiel?
Ivan: Das war bei mir erst vor ein paar Wochen das Spiel gegen die United Volleys. Ich war mega aufgeregt am Anfang, aber die Mannschaft hat mich gut aufgefangen und unterstützt und, wie gesagt, es war auch einer meiner schönsten Siege.
Michael: Mein erstes Profispiel war vor ca. 14 Jahren in Düren gegen die Hamburg Cowboys. Ich bin irgendwann im letzten Satz reingekommen, um Praxiserfahrung sammeln zu dürfen, und habe dann sogar den Matchball verwandelt.
Was ist das Kurioseste, das euch jemals beim Volleyball passiert ist?
Ivan: Ich hatte auf meiner Position eine Abwehr und der Ball ist direkt rübergeflogen und ein Punkt geworden. Als Libero machst du in der Regel nicht so viele Punkte, von daher war es für mich schon relativ kurios.
Michael: Ich hatte mal einen gegnerischen Trainer, der hat beim Schiedsgericht so viel Radau gemacht, dass das Spiel eine Dreiviertelstunde ausgefallen ist. Wir lagen vor der Unterbrechung 2:0 vorne und sie haben am Ende noch 3:2 gewonnen. Das war also ziemlich clever von dem Trainer.
Welcher Teamkollege hat den besten Humor?
(lautes Räuspern von Tim Broshog im Hintergrund)
Michael: Tims Humor ist schon ein wenig dunkler…
Ich finde Tobi recht witzig, weil er in gewisser Weise einen etwas trockenen Humor hat, den man bei ihm nicht unbedingt erwartet.
Ivan: Ja, Tobi ist schon etwas verpeilt, das macht ihn so lustig.
Wo macht ihr gerne Urlaub?
Ivan: Am Strand, mit Meer, schön ein wenig Beachvolleyball spielen.
Michael: Dito! Lieber Strand als Berge. Karibik, Malediven – da, wo man schöne Fische sehen kann und das Wasser blau ist.
Wenn ihr eine beliebige Aktivität olympisch machen könntet, bei welcher hättet ihr gute Aussichten auf eine Medaille?
Ivan: Ich glaube, bei Computerspielen wäre ich ganz gut mit dabei, z.B. bei Mario Kart, das zocken wir ganz schön oft auf der Fahrt.
Michael: Ich schätze, ich bin ganz gut im Schlaubergern.
Euer Lieblingssport nach dem Volleyball – aktiv oder im TV?
Michael: In der Jugend habe ich Basketball gespielt und ich würde gerne mit meinen alten Kollegen in der Landesliga rumdaddeln, wenn die Knochen noch halten. Im Fernsehen verfolge ich fast alles, was mit Sport zu tun hat, speziell Tennis und Football.
Ivan: Ich habe früher parallel zum Volleyball noch Tennis gespielt und ich schaue das auch gerne im Fernsehen, kürzlich habe ich noch die Australian Open intensiv verfolgt.
Was gehört für euch zum Frühstück dazu?
Michael: Ich frühstücke nicht. Außer Kaffee gibt es nix.
Ivan: Kaffee auch auf jeden Fall. Außerdem esse ich noch Haferflocken als Porridge, also mit Milch, ein paar Nüssen, Erdnussbutter und Banane.
Als Kind war euer Berufswunsch?
Ivan: Profisportler. Ich habe mit sieben Jahren angefangen zu spielen, mein Vater hat professionell gespielt und hat mich in gewisser Weise beeinflusst, was meinen Berufswunsch anging. Deshalb war ich schon immer sehr ehrgeizig in diese Richtung.
Michael: Ich wollte immer Fluglotse werden, also oben im Tower sitzen. Aber je mehr ich über diesen Job erfahren habe, desto mehr wurde mir bewusst, wie hoch die Verantwortung ist.
Eure Lieblingsapp?
Ivan: Am meisten nutze ich Instagram.
Michael: Ich glaube, wir alle nutzen Instagram ziemlich viel. Daneben natürlich noch Mails und WhatsApp.
Wie viele Sprachen sprecht ihr?
Michael: Deutsch, Englisch, Französisch und ein bisschen Rumänisch. Also vier.
Ivan: Deutsch, Englisch, Chinesisch, Russisch und in der Schule hatte ich noch Französisch.
Welches Fach habt ihr in der Schule am meisten gemocht und welches am wenigsten?
Ivan: Biologie habe ich sehr gemocht, hatte ich nur leider nicht im LK. Sport war natürlich auch ein Lieblingsfach. Gehasst habe ich immer Kunst. Das mochte ich wirklich gar nicht. Das fand ich wegen der Geschichte ziemlich langweilig.
Michael: Ich war gut in Geschichte, Physik, Erdkunde, Politik. Die Fächer haben mich immer sehr interessiert. Mathe und Deutsch waren die Fächer, die ich am wenigsten gemocht habe.
Frühaufsteher oder Langschläfer?
Ivan: Frühaufsteher.
Michael: Frühaufsteher.
Wie bereitet ihr euch auf ein Spiel vor? Habt ihr Rituale o.ä.?
Ivan: Eigentlich habe ich nichts Besonderes, in letzter Zeit habe ich vor jedem Spiel hier einen Matcha-Tee getrunken. Das ist eine Art Kaffeeersatz und steigert auch die Konzentrationsfähigkeit. Das hat bisher ganz gut geklappt, deswegen mache ich das wohl erstmal noch weiter so.
Michael: Unser Spieltag ist schon recht durchgetaktet mit dem frühen Training und dem gemeinschaftlichen Essen. Anschließend geht es nach Hause, um ein bisschen zur Ruhe zu kommen und vielleicht noch einen Mittagsschlaf zu machen. Danach schaue ich mir zu Hause noch mal Videos an, es gibt noch einen Kaffee und dann geht es auch schon los.
Was darf in eurem Kühlschrank niemals fehlen?
Michael: Wasser. Und Eier.
Ivan: Ja, Eier sind bei mir auch immer im Kühlschrank.
Was ist eine Sache, die ihr ausprobiert habt und niemals wieder machen wollt?
Michael: Bei mir ist es meine Lehre zum Industriekaufmann. Es war eine gute Zeit, aber es war am Ende nicht das, was mir lag. Ich hatte das Glück, dass ich einen guten Ausbildungsbetrieb hatte, der das toleriert hat und mir dann auch die Chance gegeben hat, danach weiterzuwandern und mir deshalb nicht böse war. Meine Erfahrung daraus ist: Ich möchte nicht im Büro enden.
Ivan: Schwierig. Ich habe noch nie etwas gemacht, was ich nachher bereut habe. Ach doch! In der Jugend war ich mal Mittelblocker. Das war vielleicht eine nicht so gute Idee. Aber alle unsere Mittelblocker waren verletzt, also musste ich einspringen. Das hat nicht ganz so gut geklappt.
Was möchtet ihr nach eurer Karriere als Profispieler machen?
Ivan: Ich studiere nebenbei Data Science im Fernstudium. Das geht in die Richtung Statistik und Wirtschaftsinformatik und nach der Karriere würde ich dann gerne in diesem Bereich was machen. Gerne würde ich dann auch im Volleyballsport bleiben, aber im Prinzip kann man damit in fast jeder Branche einsteigen.
Michael: Ich bin gelernter Personaltrainer und Ernährungscoach und will das Thema Bewegung und Ernährung ins Positive vermitteln, gerne an Kinder und Jugendliche. In Deutschland haben wir auf diesem Gebiet leider keine richtige Wahrheit, viele Mythen und ganz wenige Informationen. Wenn man zehn Leute fragt, was richtige Ernährung ist, dann kommen zehn verschiedene Antworten. Ich würde auf diesem Gebiet gerne ein bisschen Aufklärung betreiben und Leute, die sich fit machen wollen, können dann zu mir kommen. Das ist eine gute Branche mit Zukunftspotenzial.

Interview: Stefanie Schneider