Interview mit Rafał Murczkiewicz

Rafał Murczkiewicz arbeitet an der Weiterentwicklung seines Teams. Foto: powervolleys/Duda

Die Saison 2021/22 in der Volleyball Bundesliga ist Geschichte. Nach einer epischen Finalserie über fünf Spiele haben sich die Berlin Recycling Volleys erneut gegen den VfB Friedrichshafen durchgesetzt. Die SWD powervolleys Düren hatten die Chance, ins Finale einzuziehen. Am Ende haben Kleinigkeiten im Halbfinale gegen den VfB den Unterschied zu Gunsten des Gegners ausgemacht. Im Interview spricht Trainer Rafał Murczkiewicz über die Aspekte des Spiels, in denen er sein Team weiterentwickeln will.

 

Rückblickend auf die Halbfinalserie gegen Friedrichshafen: Was ist hängen geblieben?
Rafał Murczkiewicz: Wir haben diese Serie noch im Hinterkopf und sprechen darüber. Dabei geht es nicht darum, etwas zu bedauern, sondern darum, wie wir diesen Kampf in der nächsten Saison gewinnen können.

 

Was muss das Team besser machen, um eine solche Serie künftig zu gewinnen?
Rafał Murczkiewicz: Zuerst mal müssen wir sehen, dass Friedrichshafen großartig mit dem Block arbeitet. Aber das ist nicht der Punkt. Wir müssen cleverere Lösungen finden. Und mehr Lösungen haben. Wir haben uns im Angriff im Vergleich zur Vergangenen Saison bereits verbessert. Ein Problem war aber, dass wir über die Diagonalposition nicht konstant genug waren.

 

Woran lag das?
Rafał Murczkiewicz: Zu einem großen Teil daran, dass wir Pech hatten mit Verletzungen und Corona. Wenn ich mir die Saison von Filip John anschaue: Er hat große Fortschritte gemacht, so wie jeder unserer jungen Spieler. Aber er hat sich auch zwei Mal in genau den Momenten verletzt, in denen er gerade dabei war, sein großes Potenzial zu entfalten. Am Ende haben ihm die Routinen gefehlt. Mit Sebastian Gevert war das ähnlich. Er hat über die Corona-Erkrankung im März seinen Rhythmus verloren. Wie einige andere auch ist er ein Spieler, der viele Wiederholungen im Training braucht, um seine Sicherheit zu finden. Vor den Playoffs hat uns Corona fast vier Wochen beschäftigt. Dann kamen die Playoffs mit vielen Spielen in kurzer Zeit und weniger Training und damit weniger Zeit, um unsere Routinen wiederzufinden.

 

Welchen Einfluss hatte diese Phase von fast vier Wochen, in denen das Coronavirus durch die Mannschaft ging?
Rafał Murczkiewicz: Zunächst mal muss man sagen, dass wir mit Friedrichshafen im Halbfinale auf einen Gegner getroffen sind, der genau im richtigen Moment sein bestes Volleyball gespielt hat. Das hat man auch im Finale gesehen, in dem sie Berlin über fünf Spiele gefordert und fast geschlagen haben. Für uns war diese Corona-Phase eine Katastrophe. Unser Kapitän Michael Andrei war für den Rest der Saison raus. Vor der Corona-Phase haben wir alles gewonnen, auch wenn wir nicht immer optimal gespielt haben. Aber wir hatten diese Sicherheit, dass wir immer Lösungen finden. Diese Sicherheit haben wir leider verloren, weil wir nach der Corona-Phase zu wenig Zeit hatten, um sie wieder zu erarbeiten.

 

Wie geht es weiter?
Rafał Murczkiewicz: Der größte Teil des Teams bleibt zusammen. Das bedeutet, dass wir uns nicht damit beschäftigen müssen, eine neue Chemie zu finden. Die ist bereits gut. Wir haben jetzt die Aufgabe, Wege zu finden, um besser zu werden. Wir werden unser offensives und unser defensives Spiel etwas verändern. Aber was das sein wird, will ich nicht verraten. In den nächsten Wochen und Monaten heißt es: ein Blatt Papier, ein Stift und viele Ideen. Ich werde auch den Kontakt zum neuen Bundestrainer halten. Ich kenne Michał Winiarski, wir haben in Polen Teile der Trainerausbildung gemeinsam gemacht. Ich bin gespannt, welchen Eindruck er von unseren Spielern hat, die zur Nationalmannschaft berufen worden sind und wo er Verbesserungspotenzial sieht.